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Freitag, 24. November 2017
Glycerin
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Glycerin (Glycerol) ist der Trivialname für den Alkohol 1,2,3-Propantriol (C3H8O3) mit der Molekülmasse 92,1. Man unterscheidet zwei Gehaltsstufen: Glycerin 99 % (Gehalt mind. 98,0 bis max. 101,0 %; typisch: 99,5 % ) und Glycerin 85 % (Gehalt mind. 83,5 bis max. 88,5 %; typisch. 85,5 %). Der Gehalt wird jeweils bezogen auf die wasserfreie Substanz.

Glycerin wurde 1779 von dem deutschen Chemiker Scheele bei der Verseifung von Olivenöl mit Bleioxid entdeckt. Der französische Chemiker Chevreul führte 1811 die Bezeichnung "Glycerin", abgeleitet vom griechischen glykys = süß, ein. Pelouze ermittelte 1836 die empirische Zusammensetzung, 1872 gelang Friedel die Synthese von Glycerin ausgehend von Aceton über Isopropanol, Propen, 1,2-Dichlorpropan und 1,2,3-Trichlorpropan. Glycerin ist in Form von Fettsäureester Bestandteil aller Fette und Öle und somit in der Natur weit verbreitet.

Kokosöl, Palmöl, Talg, und Sojaöl enthalten 17 %, 11 %, 10 % bzw. 10 % Glycerin. Glycerin ist damit ein normaler Bestandteil unser täglichen Nahrung. Glycerin kommt weiterhin als Lecithin im Eidotter, Gehirn, in Blutkörperchen, in der Galle und im Nervengewebe vor. In untergeordneter Menge bildet sich Glycerin bei der alkoholischen Gärung und ist daher in geringen Mengen im Wein enthalten.

Die Glyceringewinnung erfolgt heute nach vier Methoden:
1. Hydrolyse aus Fetten (Fettsäureesterspaltung),
2. durch Synthese ausgehend von Propen,
3.) Hydrolyse von Kohlenhydraten mit anschließender katalytischer Hydrierung (Glycerogen),
4.) alkoholische Gärung.

Glycerin war ursprünglich ein Nebenprodukt der Fettverseifung. Als in den vierziger Jahren, besonders in USA, synthetische Waschmittel vordrangen, reichte der steigende Glycerinbedarf auf Fettsäure-Basis nicht mehr aus. Syntheseverfahren wurden entwickelt (siehe oben). Heute ist in vielen Ländern das Maximum der Glycerinproduktion auf petrochemischer Basis durchlaufen.

Glycerin ist eine klare, farblose bis fast farblose, sirupartige, sich fettig anfühlende, stark hygroskopische, mit Wasser und Ethanol mischbare, in Aceton und Ether schwerlösliche, sowie praktisch in fetten und ätherischen Ölen unlösliche Flüssigkeit. Glycerin wird hauptsächlich in der Kunststoffindustrie (Alkydharze, Polyurethan-Schäume,) und in der chemischen Industrie (Chinolin, Benzanthron, Alizarinblau) eingesetzt. Große Mengen Glycerin dienen als Feuchthaltemittel (Tabak), Salbengrundlage (Zahnpasta), Hautpflegemittel (Handcremes), Süßen von Getränken und zur Extraktion von Naturstoffen.

In der Textilindustrie wird Glycerin zur Herstellung von Schlichten und Appreturen eingesetzt. Weitere Einsatzgebiete sind Wärmeübertragungsmittel in Heizsystemen, Sperr,- Brems,- und Kühlflüssigkeit (arktische Laufkäfer überleben -85°C, da ihr Blut Glycerin enthält), Weichmacher in Kautschukwaren (Reifen), Drucküberträger in hydraulischen Systemen sowie die Druckfarbenindustrie (Stempel- und Druckfarben, Kopiertinten). Als Sprengstoff (Nitroglycerin) wird heute noch ca. 4 % der Glycerinproduktion eingesetzt.

In der Pharmazie dient Glycerin als Abführmittel (rektale Anwendung). Parenteral und intravenös kann Glycerin nicht zugeführt werden (z.B. Lösungsvermittler für Arzneimittel),da dies zu Auflösung der roten Blutkörperchen führt.

INCI-Bezeichnung: Glycerin

Spezifikationsdaten

 

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